Wiebke Elzel
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Sabina
Rekonstruktion der eigentümlichen Recherchen, die W. zu der möglicherweise fiktiven mittelalterlichen Bildhauerin Sabina von Steinbach unternahm und deren Verlauf zu unerwarteten Einsichten führte. Ein Auszug in 18 Kapiteln. /
Reconstruction of the idiosyncratic research that W. undertook on the possibly fictitious medieval sculptress Sabina von Steinbach, the course of which led to unexpected insights. An excerpt in 18 chapters.

83 photographs in 18 chapters (various sizes, archival pigment prints),
audio guide (18 stations, total length 62 min), 2021

Exhibition views: Museum Ludwig Koblenz, 2021
Sabina

Sabina

Sabina

1 Berlin, Alte Nationalgalerie
Handelt von einem Museumsbesuch / About a visit to the museum
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Text Audioguide 1:

Sie erinnere sich nicht mehr, sagte W., welche Darstellung der Sabina von Steinbach ihr in der Alten Nationalgalerie zuerst aufgefallen sei. Aus ihren damaligen Einträgen im roten Notizbuch gehe jedoch deutlich hervor, dass sie, obwohl sie zunächst am Figurenfries im Treppenhaus vorbei gelaufen sein m üsse, um in die Bildergalerie im dritten Stock zu gelangen, dennoch zuerst das Gemälde Moritz von Schwinds wahrgenommen habe. Die Darstellung einer Frau als Bildhauerin bei der Arbeit sei ihr für ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert ausgesprochen ungewöhnlich erschienen, auch habe sie den Namen der Künstlerin, der als Titel genannt wurde, nie zuvor gehört.
Wahrscheinlich hätte sie sich dennoch nicht weiter für diese Sabina von Steinbach interessiert, hätte sie nicht beim Verlassen des Museums doch endlich hinaufgeblickt zu dem Fries im Treppenhaus, und hätte sie dort nicht noch einmal diesen Namen gelesen, in goldenen Lettern, unter der Darstellung einer Frauenfigur, die ebenfalls Bildhauerwerkzeuge in den Händen hielt. Zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort habe für sie noch nichts darauf hingedeutet, dass es sich bei Sabina von Steinbach um eine Erfindung handeln könne.
Die Personen auf dem Fries wurden ausgewählt aus Politik, Kunst, Wissenschaft, bis in die damalige Gegenwart von 1870 - 75 hinein, als der Fries von dem Bildhauer Otto Geyer für die Nationalgalerie gestaltet wurde. Unter den dargestellten Persönlichkeiten befinden sich nur vier Frauen. Die mittelalterliche Bildhauerin Sabina von Steinbach ist die ertsgenannte von ihnen und die einzige, die nicht von adliger Herkunft ist. Sie sei auch die einzige Frau auf dem Fries, so W., die einen Beruf ausübe und die, wie W. zumindest zunächst angenommen habe, aufgrund ihrer Leistungen als Bildhauerin Eingang gefunden hatte in diesen Kanon. Erst sehr viel später sei ihr klar geworden, dass Sabina aus anderen Gründen für den Fries ausgewählt worden war und dass diese Gründe sehr viel mehr mit Politik als mit Kunst zu tun gehabt hätten.

ENGLISH TRANSLATION
She no longer remembers, W. said, which depiction of Sabina von Steinbach first caught her eye at the Alte Nationalgalerie. However, from her entries in the red notebook at the time, it was clear that, although she must have initally walked past the frieze of figures in the stairwell to reach the picture gallery on the third floor, nevertheless she had first noticed the painting by Moritz von Schwind. The depiction of a sculptress at work in a 19th-century painting had seemed highly unusualto her, and she had also never heard of the artist's name before, which was given as the work's title.
Probably she would not have been further interested in Sabina von Steinbach if she had not finally turned her gaze upward to the frieze of figures in the stairwell while leaving the museum, if she had not read that name again, there, in golden letters, under a figure of a woman holding sculptor's tools. At that moment and in that place, there had been nothing to suggest that Sabina von Steinbach could be a fabrication.
The individuals on the frieze had been selected from politics and the arts and sciences, reaching as far as the then-present times of 1870-75, when sculptor Otto Geyer was commissioned to create the frieze for the Nationalgalerie. Among those depicted are only four women. The medieval sculptress Sabina von Steinbach is the first and only one of them who was not of noble descent. She is also the only woman on the frieze, according to W., who pursued a vocation and who, as W. had at least initially assumed, found her way into this canon thanks to her merits as a sculptress. It was only much later that she realized that Sabina must have been chosen for the frieze for different reasons, and that these reasons had far more to do with politics than art.

6 Nördliche Vogesen, Pfälzer Wald
Von Wanderungen und Burgruinen / About hikes and castle ruins
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10 Heidelberg, Universitätsbibliothek, Handschriftenlesesaal
Handelt von einem vierhundert Jahre alten Büchlein, das große Wirkung hatte /
About a little four hundred year old book of great impact
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15 Berlin, W.s Arbeitszimmer
In dem zwei ähnliche Kapitel in zwei unterschiedlichen Büchern angeschaut werden und ein drittes alles in Frage stellt /
Wherein two similar chapters in two different books are examined and a third one calls everything into question
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18 Berlin, Alte Nationalgalerie
In dem durch die Lektüre einer Dissertation eine umdatierte Jahreszahl auffällt und eine weitere Sabina entdeckt wird, die lange übersehen wurde/
Wherein upon reading a dissertation, an altered date is revealed and another Sabina is discovered that had long been overlooked
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